Agenturmodell oder klassischer Händlervertrieb – was ist für uns Käufer besser?

  • MG verabschiedet sich ja zum Jahresende vom Agenturmodell und setzt ab 2027 wieder vollständig auf den klassischen Händlervertrieb. Interessant finde ich, dass andere Hersteller, wie beispielsweise BMW, gerade den umgekehrten Weg gehen und das Agenturmodell ausbauen.


    Da frage ich mich, welches Modell für uns Käufer langfristig eigentlich vorteilhafter ist.


    Beim Agenturmodell gibt es weitgehend einheitliche Preise, der Händler vermittelt das Fahrzeug und trägt in der Regel kein eigenes Bestandsrisiko. Beim klassischen Vertriebsmodell kauft der Händler die Fahrzeuge selbst ein, trägt das wirtschaftliche Risiko und kann dafür eigenständig Preise und Rabatte gestalten.


    Auf den ersten Blick klingt mehr Wettbewerb zwischen den Händlern natürlich gut für uns Käufer. Andererseits müssen die Händler ihre Lagerhaltung, Finanzierung und das Absatzrisiko auch irgendwie einkalkulieren. Ob dadurch am Ende wirklich günstigere Preise entstehen, ist für mich nicht so eindeutig.


    Beim Agenturmodell wiederum bestimmt der Hersteller weitgehend den Preis. Da stellt sich die Frage, ob der fehlende Preiswettbewerb zwischen den Händlern nicht ebenfalls zulasten der Kunden geht.


    Mich würde besonders interessieren, wie die BWLer und Vertriebsprofis hier im Forum das einschätzen. Welches Modell ist aus wirtschaftlicher Sicht effizienter und bei welchem profitieren wir Käufer tatsächlich mehr?


    Und warum gehen die Hersteller momentan teilweise so unterschiedliche Wege? Hat MG erkannt, dass der klassische Vertrieb besser funktioniert, oder spielen hier ganz andere Interessen eine Rolle?


    Wie seht ihr das?

  • Eine sehr spnnende Frage wirfst du da auf. Meine Sicht auf diese Situation nach 25 Jahren Vertriebserfahrung bei meinem Arbeitgeber in der Automaatisierungstechnik:


    Wenn ein Händler kein Risiko in dem Sinne hat, ist das für ihn immer die bessere Wahl, denn wo kein Risiko, da auch keine Kosten. Wenn aber der Hersteller dem Händler genau vorschreibt, wie sein Verlaufsraum auszusehen hat, was er wie alles vorhalten muss, dann kann das Konzept darunter leiden. So wurde aus einer früheren Mercedesniederlassung eine freie Werkstatt, weil die Vorgaben so teuer waren, dass es sich für den Inhaber nicht mehr gelohnt hat. Jetzt hat er Stundenpreise, die deutlich unter denen der Vertragswerkstatt liegen und er kann beim Einkauf von Teilen je nach Alter der Fahrzeugs selber entscheiden, nimmt er in Abstimmung mit dem Kunden das Originalteil oder den günstigeren Nachbau oder gar ein überholtes Teil.


    Tritt der Hersteller nur über ein Agenturmodell auf, ist zwar kein Wettbewerb in dem Sinne da, das sichert uns aber auch konstante Preise. Zumindest sollte man das annehmen können. In wie weit hier der Verkäufer oder Servicedienstleister selber noch handeln kann, weiß ich nicht.


    Gruß Stefan

    Der Porsche stieß mehrere laute Gasstöße aus, bis das Startsignal kam. Der Motor heulte auf, der Drehzahlbegrenzer zitterte, die Reifen scharrten am Straßenbelag, der Auspuff brüllte laut und das Fahrzeug setzte sich straff in Bewegung!


    Der Cyberster war einfach weg…


    8) ^^

  • Da frage ich mich, welches Modell für uns Käufer langfristig eigentlich vorteilhafter ist.

    Das kommt auf dich als Käufer an - Wahl hat schon umgestellt und ist jetzt insolvent. Im MG4 Forum tobt der Bär (da haben manche Leute schon 10.000-25.000€ überwiesen und kein Auto). Mit dem Agentur Modell hätte MG in der Situation mehr Einfluss und könnte die Bestellung einfacher umleiten (der Vertrag wäre dann ja mit SAIC Motor Deutschland BV geschlossen worden). In der aktuellen Lage kann MG die Bestellung nur umleiten wenn Wahl einer Vertragsauflösung zustimmt und ein anderer Händler dem zustimmt.


    Die Kehrseite der Mediale ist das der einzelne Händler weniger Spielraum bei Preisen und Kulanz hat.


    Hat beides seine Vor und Nachteile und je nach eigener Situation passt mal das Eine bessere als das Andere.

  • Ich habe vor einer Woche eine interessante Erfahrung gemacht, die mal wieder zeigt, wie dreist teilweise im Autohandel kalkuliert wird.


    Meine Schwester sucht aktuell eine Alfa Romeo Giulia (ob die was taugt, sei mal dahingestellt 😅) und hat vier Händler quer durchs Bundesgebiet mit exakt derselben E-Mail und identischer Wunschkonfiguration angeschrieben.


    Das Ergebnis:


    Berlin: 61.675 €

    Würzburg: 57.990 €

    Bamberg: 53.400 €

    Stuttgart: 50.990 €


    Fast 11.000 € Preisunterschied für ein und dasselbe Auto!


    Da ich bei sowas grundsätzlich skeptisch bin, habe ich mir sämtliche Angebote ganz genau angesehen. Ausstattung, Überführung, Fußmatten, Erste-Hilfe-Set, wirklich alles identisch!


    Ganz ehrlich, ich finde das schon ziemlich unverschämt. Natürlich darf jeder Händler seine Preise selbst kalkulieren, aber bei solchen Unterschieden fragt man sich schon, wie sehr manche versuchen, den Kunden auszunehmen.


    Wer da einfach beim erstbesten Händler unterschreibt, zahlt unter Umständen über 10.000 € zu viel.


    Für mich zeigt das einmal mehr, dass man beim Autokauf keinem Händler blind vertrauen sollte und darf.